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08.01.2020

Wie können wir sicherstellen, dass die Kreislaufwirtschaft nachhaltig ist?

Für den Übergang zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft müssen wir den materiellen Verbrauch und die Umweltbelastung messen und überwachen.

Wir gehen allgemein davon aus, dass die Kreislaufwirtschaft automatisch auch umweltfreundlich ist. So werden heute oft quantitative Indikatoren wie die Recyclingquote verwendet, um abzuschätzen, wie gut Produkte, Prozesse, Firmen oder Länder in Bezug auf die Kreislaufwirtschaft abschneiden. Die Gesamtumweltbelastung wird aber meistens nicht berechnet, was zu schlechten oder gar falschen Entscheidungen führen kann.

Für Entschiedungsträgerinnen und -träger aus der Politik und Wirschaft haben Forschende des NFP 73 an der ETH Zürich einen Indikator für die Umweltfolgenabschätzung entwickelt, der massenbasierte Indikatoren wie die Recyclingquote ergänzt. Er misst den ökologischen Wert, der durch die Wiederverwendung, die Wiederaufbereitung, die Reparatur oder das Recycling erhalten wurde. Ein Wert von 100 Prozent zeigt an, dass der ökologische Gesamtwert des Materials oder des Produkts vollständig erhalten bleibt. Werte unter 100 Prozent deuten auf einen ökologischen Wertverlust hin. Der Indikator wurde anhand von Verpackungsglas, Zeitungspapier und Automotoren getestet.

Die Fallstudie mit dem Zeitungspapier zeigt, dass der ökologische Wert höher ist, wenn Zeitungspapier in einem geschlossenen Kreislauf wieder als Zeitungspapier aufbereitet wird, als wenn es für die Kartonherstellung genutzt wird. Der höchste ökologische Wert wird erzielt, wenn das Papier zu Isolationsmterial aus Zellulose weiterverarbeitet wird, um die Verwendung primärer Zellulose zu ersetzen.

Die Anwendung des Indikators kann zu neuen und manchmal auch unerwarteten Resultaten führen, die zu einem besseren Verständnis führen, um optimale Lösungen zu finden.

Der Artikel 'Measuring the environmental sustainability of a circular economy' aus dem Projekt 'Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft' wurde im September 2019 in der Zeitschrift Environmental Sustainability Indicators frei zugänglich publiziert (Open Access).

Weitere Informationen zu diesem Inhalt

 Kontakt

http://nfp73.snfbern.ch/SiteCollectionImages/haupt-m.png

Dr. Melanie Haupt Lehrstuhl für ökologisches Systemdesign
Institut für Umweltingenieurwissenschaften
ETH Zürich Schweiz
+41 44 633 33 39 haupt@ifu.baug.ethz.ch